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Was ist ein Trauma?

Aktualisiert: 23. Jan.

Der Begriff Trauma wird heutzutage schon fast inflationär verwendet. Der Satz "Das war ein richtig traumatisches Ereignis für mich", wenn bei der Abiturprüfung ein Thema drankam, mit dem man nicht rechnete oder man auf glatter Straße mit dem Auto ins Schliddern kam, ist nicht unüblich. Auch Zeitungen sorgen dafür, dass dieser Begriff schwammig verwendet wird. Aussagen wie "Die Grünen leiden unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Das Trauma trägt einen Titel: „Veggie Day“. (Hamburger Abendblatt vom 24.11.2014)" oder "Haunstetter Handballerinnen lassen das "Würm-Trauma" hinter sich (Augsburger Allgemeine vom 10.09.2023)" finden sich seit Jahren in den Artikeln.



Doch was ist ein Trauma nun wirklich?


Der ICD-11 („International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems”, zu Deutsch und vereinfacht: „Internationale Klassifikation der Krankheiten“), der ein weltweit anerkanntes Regelwerk ist, mit dem medizinische Diagnosen einheitlich benannt werden können, beschreibt ein Trauma so:


"Ein extrem bedrohliches oder entsetzliches Ereignis oder eine Reihe von Ereignissen."

...... bzw. ggf. weiterführend bei schwererer Traumatisierung: "meistens längerdauernde oder wiederholte Ereignisse, bei denen Flucht schwierig oder unmöglich war (z.B. Folter, Sklaverei, Genozidversuche, längerdauernde häusliche Gewalt, wiederholter sexueller oder körperlicher Kindsmissbrauch)."


Im DSM-5, der 5. Auflage des "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders", ein Klassifikationssystem für psychische Störungen, das von der American Psychiatric Association herausgegeben wird, werden traumatische Ereignisse beschrieben als


"direkte oder indirekte Konfrontation mit dem Tod, sei es tatsächlich oder auch angedroht, sowie mit schwerwiegenden Verletzungen oder sexueller Gewalt"


Das wiederum ist sehr eng gefasst und greift meiner persönlichen Meinung nach etwas zu kurz.


Für mich ist ein Trauma ein intensives, einmal oder wiederholt oder kontinuierlich vorkommendes Ereignis, das das Potential hat, das Leben und Erleben eines Menschen dauerhaft und massiv negativ zu verändern. Was für den einzelnen Menschen dieses Potential hat, ist individuell sehr verschieden und auch abhängig davon, was dieser Mensch vor diesem Ereignis erlebt hat.


Was für den einzelnen Menschen dieses Potential hat, ist individuell sehr verschieden und auch abhängig davon, was dieser Mensch vor diesem Ereignis erlebt hat. Um dem etwas mehr auf die Spur zu kommen, gebe ich im Folgenden einen Überblick über Traumata, die bisher Erlebtes wie auch das Erleben vorhergehender Generationen mit einbeziehen.



rechte Hand einer Frau berührt das verregnete Fenster


Verschiedene Ursachen für seelische Wunden


Klassisches Trauma im Sinne von ICD und DSM


Die klassische Definition eines Traumas wie oben schon beschrieben wird in Typ I- und Typ II-Trauma unterteilt. Und diese beiden Typen nochmals in "schicksalhafte" Ereignisse und von Menschen verursachte. Hierbei wird ein nicht von Menschen induziertes Typ I-Trauma wie ein schwerer Verkehrsunfall als am leichtesten verarbeitbar (Grafik oben links) und ein von Menschen verursachtes Typ II-Trauma wie längjährige sexuelle Gewalt im Kindesalter als am schwersten verarbeitbar eingestuft (Grafik unten rechts).


Typ I-Trauma (einmalig, kurz andauernd)

Typ II-Trauma (mehrmalig und/oder lang andauernd)

schicksalhaft

schwerer Verkehrsunfall

schwerer Arbeitsunfall

kurz andauernde Naturkatastrophe, z.B. Brand

technische Katastrophen

lang andauernde/schwere Naturkatastrophen

durch Menschen verursacht

Überfall

Gewalterleben, z.B. Banküberfall

Vergewaltigung

schwere Misshandlungen und/oder sexueller Missbrauch in der Kindheit

Folter

Genozid

Krieg .......


Bindungs- und Beziehungstrauma


Desweiteren können auch Erlebnisse in der (frühen) Kindheit in Zusammenhang mit den Bezugspersonen traumatisierend wirken. Das ist der Fall, wenn beispielsweise die Eltern nicht genug präsent und haltgebend sind und das Kind emotional auf sich alleine gestellt ist, wenn ein Elternteil suchtkrank ist oder eine narzißtische oder Borderline-Persönlichkeitsstörung hat und damit vielleicht sehr ambivalent ("meine Prinzessin" - "du Nichtsnutz" - Prinzip), wenn Eltern schwer depressiv oder schizophren sind, wenn ein Elternteil verstirbt oder lange sehr schwer erkrankt ist, wenn mit Suizid gedroht wird, wenn das Kind chronisch abgewertet wird, wenn die Atmosphäre von Kälte und Gefühllosigkeit geprägt ist, wenn das Kind zum Partnerersatz wird, usw.


Zusammengefasst kann man sagen: (Früh-)kindliche Bindungserfahrungen, in denen das Kind nicht gehalten, beschützt oder wahrgenommen wird, emotional alleine zurecht kommen muss, massiv und dauerhaft abgewertet wird und/oder gehindert wird, autonom zu werden.


Mehr zu Bindungs- und Beziehungstraumata in meinem Blogartikel "Wie Bindungstrauma und Beziehungsprobleme zusammenhängen"



Sekundäre Traumatisierung


Eine Sekundärtraumatisierung kann stattfinden, wenn nicht direkt traumatisierte Menschen Zeuge einer Traumatisierung einer anderen Person werden. Das kann zum Beispiel bei Feuerwehrleuten, Polizisten, Notärzten und Rettungssanitätern der Fall sein, die zu einem schweren Unglück dazu kommen.


Sekundär traumatisiert werden können auch Angehörige von primär traumatisierten Menschen, Sozialarbeiter, Lehrer, Psychotherapeuten, usw., die intensive Kenntnis des Ablaufs einer massiven Traumatisierung haben.


Die Symptome der sekundären Traumatisierung können denen der primär Traumatisierten ähneln.



Transgenerationales Trauma


Von einem transgenerationalen Trauma spricht man, wenn ein Trauma, das eine Person einer Generation erlebt hat, an die nachfolgende Generation oder sogar an mehrere Generationen weitergegeben wird. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Großmutter im 2. Weltkrieg vertrieben und/oder vergewaltigt wurde, Familienmitglieder durch einen Bombenangriff oder auf der Flucht verlor, usw. Wurde das Trauma nicht aufgearbeitet, was ja häufig der Fall war, weil das Leben weiter gehen musste, verschliesst sich diese Frau vielleicht innerlich und schafft es nicht, ihren Kindern gegenüber empathisch zu sein. Diese wiederum leiden unter der Empathie- und Haltlosigkeit, entwickeln ebenfalls Verhaltensstörungen, Depressionen, Süchte, oder ähnliches und geben die Probleme an ihre Kinder weiter.


Es wird also eigentlich die Traumafolgestörung an die nachfolgenden Generationen weiter gegeben.



Piktogramm einer Familie auf dem Asphalt


Formen der Traumafolgestörungen


Die Folgen einer Bindungstraumatisierung oder eines transgenerationalen Traumas einerseits sind anders als bei einem klassischen Trauma oder einer Sekundärtraumatisierung andererseits.


Im ersten Fall geht es um das alltägliche Verhalten der Bezugspersonen, das von deren eigenen negativen Erfahrungen geprägt ist. Hier geht es um Dinge wie Vernachlässigung, emotionale Kälte, hohe Verantwortungsübertragung auf das Kind, Suizidandrohungen, Ambivalenz im Verhalten, usw.


Im zweiten Fall besteht das Trauma aus massiver Gewalt, tatsächlicher oder angedrohter Todesgefahr, Gefangenschaft, der Unmöglichkeit einer Flucht und ähnlichem.


Ich möchte nachfolgend speziell auf Traumafolgestörungen bei klassischen Traumata und Sekundärtraumatisierung eingehen. Bindungstrauma und transgenerationales Trauma behandle ich in anderen Blogbeiträgen. Zusätzlich zu den beiden beschriebenen posttraumatischen Belastungsstörungen ist noch die Dissoziative Identitätsstörung zu erwähnen, die meist aufgrund von sehr frühen und sehr schwerwiegenden Erfahrungen auftritt. Auch dieser Störung werde ich einen eigenen Blogbeitrag widmen.



Posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS


Ein Beispiel: Ein 59-jähriger Mann ist Opfer eines Überfalls geworden. "Seit dem Überfall bin ich ein anderer Mensch geworden. Nachts liege ich wach. Wenn ich dann doch mal einschlafe, schrecke ich wieder auf und bin schweißgebadet. Ich kann nicht mehr arbeiten gehen, bin völlig unkonzentriert und will auch nirgendwo mehr hin. Es interessiert mich nichts mehr."

Die Symptome einer PTBS sind laut ICD-10:


  • Anhaltende, belastende Erinnerungen an das Trauma oder ein wiederholtes Erleben des Traumas in intensiven, sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks). Sie werden oft durch Schlüsselreize ausgelöst, die der Betroffene mit dem Trauma verbindet, zum Beispiel durch Fotos, Menschen, Gerüche oder Geräusche.

  • ein wiederholtes Erleben des Traumas in Träumen oder Alpträumen

  • Vermeiden von Personen, Aktivitäten oder Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen würden, und Vermeiden von Gedanken und Gefühlen, die mit dem Trauma zusammenhängen

  • teilweise oder vollständige Gedächtnislücken an das Trauma

  • andauerndes Gefühl von Betäubtsein oder emotionaler Taubheit (Unfähigkeit, Freude, Trauer oder andere Gefühle zu empfinden)

  • anhaltende Symptome erhöhter Erregung und erhöhter psychischer Empfindlichkeit: etwa Schlafstörungen, starke Schreckhaftigkeit, extreme Wachsamkeit (Hypervigilanz), Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, Reizbarkeit oder Wutausbrüche

  • Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen oder der Umgebung und ein vermindertes Interesse an Aktivitäten

  • sozialer Rückzug

  • beeinträchtigte Stimmung, zum Beispiel starke Ängste oder Depressivität


Auch starke körperliche Symptome wie Herzrasen, Zittern, Übelkeit und Atemnot können ausgelöst werden.


Damit die Diagnose einer PTBS gestellt wird, müssen die Symptome in einen Zeitraum von sechs Monaten nach dem Ereignis aufgetreten sein und mindestens einen Monat anhalten. Außerdem müssen sie zu deutlichen Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen führen.


Hier möchte ich aber anmerken, dass nach einem Trauma gegebenenfalls jahrelang keine oder nur wenige der oben beschriebenen PTBS-Symptome auftauchen und der Mensch "funktioniert". Wenn sich die Lebensumstände aber verändern, wie z.B. durch Tod der Eltern, Arbeitslosigkeit, Scheidung, usw., können Symptome stärker werden, so dass erst dann eine PTBS auftritt.



Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, kurz: kPTBS


Ein Beispiel: Eine 28-jährige Frau wurde als Kind von ihrem Vater jahrelang sexuell missbraucht. Die Stiefmutter hat weg gesehen. "Eigentlich kann ich gar keine Beziehung führen. Ich suche mir immer einen Partner aus, der mich schlecht behandelt. Wenn der Max mich dann anbrüllt, bin ich gar nicht mehr da. Irgendwann und irgendwo tauche ich wieder auf und weiß gar nicht, was in der Zwischenzeit passiert ist. Oft habe ich dann Schnittverletzungen irgendwo am Körper. Ich kriege nichts auf die Reihe. Mein Vater hatte recht: ich bin nichts wert!"

Seit langem weiß man, dass sich bei sogenannten Typ II-Traumata (s. oben), die menschengemacht und sich wiederholend oder lang anhaltend waren, häufig schwerere Symptome zeigen als bei bei der PTBS beschrieben. in der alten Version des ICD, der "Internationalen Klassifikation der Krankheiten", dem ICD-10 wird die kPTBS noch als "Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung" bezeichnet. In der neuen Version wird der Begriff "Komplex" der PTBS vorausgestellt. Ich finde, dass der alte Begriff der Symptomatik eigentlich deutlicher gerecht wurde als der neue.


Bei einer kPTBS geht es darum, dass das Erleben in mehr oder weniger allen Bereichen und zu mehr oder weniger allen Zeiten vom Trauma beeinflusst ist. Das verändert tatsächlich die Persönlichkeit. Zusätzlich zu den Kriterien der PTBS fallen bei der kPTBS häufig nämlich auch die folgenden Symptome an:


  • Veränderungen bei der Regulierung von Gefühlen: zum Beispiel Schwierigkeiten, Gefühle zu steuern, Neigung zu selbstzerstörerischem Verhalten, ausgeprägtes Risikoverhalten

  • Veränderungen bei Aufmerksamkeit und Bewusstsein: Verlust von Erinnerungen, Neigung zu Dissoziationen

  • Veränderungen bei der Selbstwahrnehmung und beim Gefühl der eigenen Identität: geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Gefühl, von anderen isoliert zu sein, Vernachlässigung der Selbstfürsorge

  • Veränderungen in den Beziehungen zu anderen: anhaltendes Misstrauen, Neigung, selbst wieder in die Opferrolle zu geraten oder Neigung, andere zum Opfer zu machen

  • Somatisierungsstörungen (körperliche Symptome mit psychischen Ursachen): zum Beispiel chronische Schmerzen, Symptome im Bereich des Magen-Darm-Trakts, des Herzens oder der Sexualfunktionen

  • Veränderungen der Lebenseinstellungen: Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Sinnverlust, Verlust positiver Überzeugungen und Einstellungen


Menschen, die unter einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung leiden, empfinden ihre Umwelt häufig als ständige Bedrohung. Alltägliche Eindrücke wie die Farbe eines Kleidungsstücks, eine bestimmte Uhrzeit oder ein bestimmter Tag, ein Geruch und ähnliches werden als überwältigend und gefährlich wahrgenommen. Dissoziationen, also eine Art "inneres Weggehen", als Ausdruck des Ohnmachtserlebens sind dann häufig.


Scham- und Schuldgefühle sind ebenfalls häufig, auch Selbstabwertungen, große Unsicherheiten im Zusammensein mit anderen und eine sehr hohe Erwartungshaltung an sich selbst. Menschen mit einer kPTBS halten sich oft für "nicht normal" und wissen nicht, wie sie sich "richtig" verhalten sollten.



Silhouette eines Mannes hinter Milchglasscheibe


Klassisches Trauma näher betrachtet -

Wie wird aus einer traumatischen Erfahrung eine Traumafolgestörung?


Einflüsse vor, während und nach dem Trauma


Wie oben schon erwähnt, entsteht aus einer traumatischen Erfahrung nicht zwangsläufig eine Traumafolgestörung. Das hängt zusammen mit Ereignissen, die vor, während und nach dem traumatischen Vorfall passierten.


Prätraumatische Einflüsse (vor dem Trauma): Ist die Person beispielsweise bindungstraumatisiert, hat sie psychische Vorerkrankungen oder hat sie im Vorfeld bereits eine andere Traumatisierung erlebt, ist das so, als ob jemand in der Vergangenheit vom Pferd gefallen ist und sich die Wirbelsäule verletzt hat. Die Wahrscheinlichkeit einer schwereren Verletzung bei einem erneuten Sturz ist größer als ohne Vorverletzung.


Peritraumatische Faktoren (während des Traumas): Die Schwere des Traumas, ob es z.B. durch eine Naturkatastrophe oder einen Menschen verursacht wurde, ob ich tatsächlich gemeint war oder es mich zufällig traf, ob das Trauma durch Bezugspersonen oder fremde Menschen verursacht wurde und die Dauer des Ereignisses spielen eine große Rolle.


Günstig für den Verlauf ist es auch, wenn jemand während der traumatischen Erfahrung noch Möglichkeiten hat, die eigene Situation zu verändern, also Handlungsspielraum hat und sich selbst nicht aufgegeben hat. Ungünstig ist es, wenn die Situation so ausweglos ist, dass der betroffenen Person nur das innerliche "Weggehen" bleibt, die Dissoziation. (Näheres zur "traumatischen Zange" und zur Dissoziation weiter unten)


Posttraumatische Faktoren (nach dem Trauma): Sehr negativ ist ein fortdauernder Täterkontakt, zum Beispiel zum ehemals missbrauchenden Vater. Und es ist auch ein großer Unterschied, ob das Leben eines traumatisierten Menschen nach dem Trauma davon geprägt war, dass er/sie liebevolle Zuwendung und Verständnis erfahren hat, er/sie aufgehoben war in einem sinnhaften beruflichen Kontext, die finanzielle und wohnliche Versorgung gegeben war, er/sie spirituell gebunden war, z.B. einen Glauben an was auch immer hatte, Selbstwirksamkeit erfuhr oder eben nicht. Von vielen traumatisierten Menschen wird das Alleinesein danach als das Schlimmste beschrieben.



Fight or Flight ...... or Freeze - die traumatische Zange oder was ist Dissoziation?


traumatische Zange

Unser Gehirn funktioniert in einer traumatischen Situation eigentlich sehr pragmatisch. Es "scannt" und überprüft die Situation, in der man steckt und entscheidet darüber, was gerade die sinnvollste Lösung ist.

Ist Flucht oder Angriff möglich? Dann das. Falls nein, erfolgt ein Totstell-Reflex, wie bei einem Igel, der sich bei Gefahr zusammenrollt. Dieses Pinzip nennt man die "traumatische Zange", weil es keine Alternative gibt. Ist die Erstarrung die einzige Möglichkeit, dann erfolgt die Erstarrung.


Dieses Freezing ist ein inneres Taubwerden. Schmerzen werden nicht gespürt und man hat auch sonst kein Körpergefühl. Das kann bis zum sogenannten Stupor gehen, zur totalen Bewegungslosigkeit. Man verschwindet sozusagen aus dem Körper. Das nennt man Dissoziation.


In einer akuten Gefahrensituation ist das sehr sinnvoll, falls keine andere Reaktionsmöglichkeit mehr besteht. Ganz krass gesagt: Sollte der Tod folgen, hat man so wenig Schmerzen wie möglich. Das Problem liegt darin, dass die Dissoziation unbewusst auch nach dem Trauma "gewählt" wird, wenn etwas triggert (also, wenn es einen Auslöser gibt, der die traumatische Situation wieder hoch holt). Der betroffene Mensch ist durch die Dissoziation hilflos und ohnmächtig, was zum Einen sehr belastend ist und Beziehungen oder Alltagssituationen sehr schwierig macht und zum Anderen in tatsächlichen Gefahrensituationen sehr gefährlich sein kann. Das Trauma steckt so tief im Körper fest, dass nicht mehr nach "Fight or Flight" geurteilt wird, sondern gleich das Freezing stattfindet.



Das vierte F - die Fragmentierung


Im Zustand des Eingefroren seins während der traumatischen Erfahrung ist es möglich, dass das Gehirn, die Bestandteile, aus denen das Ereignis besteht, nicht geordnet im Archiv ablegt. Normalerweise wird alles, was zu einer Situation gehört, gebündelt gespeichert: optische Eindrücke, Gerüche, Geschmack, Kälte oder Wärme, Gefühle, Gedanken, usw. Bei einer lebensbedrohlichen Situation, wenn der Körper dissoziiert, ist es möglich, dass sozusagen nur Splitter im Gehirn unterwegs sind. Daher tauchen Flashbacks oder Intrusionen auf, wenn man getriggert wird, also Wiedererleben und Wiedererinnern durch auslösende Faktoren.


Das bedeutet aber nicht, dass man sich tatsächlich wieder erinnern muss. Es ist sogar möglich, dass das Trauma jahre- oder sogar jahrzehntelang nicht bewusst erinnert wird. Die Person leidet aber trotzdem unter den Traumafolgen, denn diffusere Symptome wie Ängste, depressive Zustände, Gefühllosigkeit, Schlafstörungen, Beziehungsprobleme, usw. können trotzdem vorhanden sein und das Leben massiv beeinflussen.



Hand auf einer Schiefertafel mit der Aufschrift Possible


Meine Ansätze zur Traumabewältigung


Eine PTBS und erst recht eine kPTBS sollte von einem erfahrenen Traumatherapeuten oder einer Traumatherapeutin behandelt werden. Ich habe inzwischen mehr als 15 Jahre Erfahrung in diesem Gebiet und schon vieles gehört und gesehen. Vor allem komplex traumatisierte Menschen und Menschen mit Bindungstraumata haben den Weg zu mir gefunden.


Für mich ist es in einer Traumatherapie wichtig, dem Menschen zu helfen, wieder (oder erstmalig) Zugang zu sich zu finden, sich zu unterstützen und sich Halt geben zu können, sich als selbstwirksam zu erleben und sich als liebenswert zu empfinden.


Ich arbeite als Kunsttherapeutin und kreative Traumatherapeutin, als Hypnosetherapeutin und als Klangtherapeutische Begleiterin (hier ist der Link zu meiner Seite als Therapeutin) zu allererst mit dem Unbewussten. Hier findet sich meiner Meinung und meiner Erfahrung nach eine große Weisheit, die von den traumatischen Erfahrungen nicht zerstört worden ist.

In unserem "grauen Haus am Meer" direkt an Dänemarks Ostseeküste gibt es die Möglichkeit, unser Angebot "Urlaub und Therapie" zu nutzen. Hierbei bleibt jemand zum Beispiel für eine Woche oder 10 Tage bei uns und verbindet Therapiesitzungen bei mir mit viel Zeit zu Selbstreflektion und Erholung, Abstand zum Alltag, gutem, nährenden Essen und der Ostsee vor der Haustür. Kombiniert werden kann "Urlaub und Therapie" auf Wunsch auch mit Online-Therapiesitzungen. Ebenso gibt es Seminare zu den Themen "Wie geht Beziehung?", "Umgang mit inneren Kritikern und Saboteuren", "Selbstwert und Selbstachtung" sowie neu in 2024 "Scham und Schuld" in einer kleinen Gruppe von bis zu 4 Personen.

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