Weihnachten alleine – nach Kontaktabbruch zu den Eltern
- Vera Arnold

- Nov 10, 2025
- 6 min read
Wenn du den Kontakt zu deinen Eltern abgebrochen hast, zweifelst du vielleicht gerade an Weihnachten besonders an deiner Entscheidung.
In einer Zeit, in der das Zusammensein von Familie im Mittelpunkt steht, kann sich Einsamkeit stärker zeigen – und mit ihr auch Schuld und Scham.
In diesem Artikel erfährst du, warum ein Kontaktabbruch in Ordnung ist, wie du mit der Sehnsucht nach Familie umgehen kannst und wie Selbstmitgefühl dir hilft, Weihnachten auf deine eigene, liebevolle Weise zu gestalten.

INHALTSVERZEICHNIS:
Ich habe hier in Dänemark vor ein paar Tagen einen Hinweis in der lokalen Wochenzeitung gelesen: Eine Frau möchte Weihnachten nicht alleine verbringen und lädt noch drei weitere Gäste ein.
Das Besondere: Sie kennt diese Gäste noch gar nicht. Jede oder jeder, die oder der an Weihnachten einsam ist, soll sich angesprochen fühlen.
Eine tolle Idee, dachte ich. Nicht so tun, als wäre einem Weihnachten völlig egal, sondern es selbst gestalten – so, wie man es wirklich haben möchte.
Ich musste dabei an eine Klientin denken, die ich vor ein paar Jahren begleitet habe.
Sie hatte den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen – aus gutem Grund. Und doch wurde sie jedes Jahr im Dezember traurig. Weihnachten war für sie immer eine besondere Zeit gewesen, mit Lichtern, Musik und diesem Gefühl von Geborgenheit. Ein Gefühl, das sie nicht hatte, aber das sie sich als Kind so sehr wünschte.
An Weihnachten spürte sie immer, was ihr fehlte – eine richtige Familie.
Kontaktabbruch zu den Eltern – wann das notwendig sein kann
Ein Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern ist in der Regel keine spontane Entscheidung. Meist liegt ein langer, schmerzhafter Prozess dahinter. Viele versuchen jahrelang, Verständnis zu finden, Grenzen zu setzen, Gespräche zu führen – und scheitern immer wieder an derselben Wand.
Oft entstehen nach dem Kontaktabbruch Selbstzweifel, ob man das Richtige getan hat. Man leidet unter Scham- und Schuldgefühlen und zumindest zu manchen Zeiten im Jahr auch unter Einsamkeit.
Aber Gründe, die Eltern nicht mehr sehen zu wollen, kann es viele geben:
physische und psychische Gewalt in der Gegenwart oder auch der Vergangenheit, wie z.B. Missbrauch, Schläge, Vernachlässigung
starker Druck bezüglich der Lebensentscheidungen des erwachsenen Kindes wie:
keine Akzeptanz bzw. Abwertung des Partners oder der Partnerin
überhöhte Erwartungen bei den Themen Enkelkinder, Berufswahl und Karriere, Unterstützung der Eltern, usw.
ständige Schuldzuweisungen
ständige Vorwürfe oder Kränkungen
ständige Kontrolle oder übergriffiges Verhalten
Wenn Nähe weh tut, wenn Gespräche darin enden, dass du dich jedes Mal klein, falsch oder schuldig fühlst, ist Abstand kein Verrat, sondern Selbstschutz.
Manchmal ist der Kontaktabbruch die einzige Möglichkeit, aus alten Mustern auszusteigen – aus Rollen, die du als Kind übernommen hast, um dazuzugehören oder den Familienfrieden zu sichern.
Solche Entscheidungen sind nie leicht, weil sie an etwas rühren, das in uns tief verankert ist: den Wunsch, von den eigenen Eltern geliebt zu werden.
Doch das bedeutet nicht, alles aushalten zu müssen. Und den Kontakt zu den Eltern zu beenden, ist oft viel mehr der Beginn einer Beziehung zu sich selbst.
Warum Weihnachten Selbstvorwürfe und Sehnsucht verstärkt
Weihnachten intensiviert Selbstvorwürfe.
Das ganze Jahr findet das Familienleben meist hinter verschlossenen Türen statt – ob es gut läuft oder nicht, sieht man selten. Aber an Weihnachten tauchen überall Bilder von glücklichen Familien auf: glänzende Kinderaugen, festlich gedeckte Tische, Harmonie pur.
Natürlich sind das Klischees. Tatsächlich zeigt eine Statista-Umfrage von 2019 zum Thema „Streit unterm Weihnachtsbaum“, dass 24 % der Befragten angaben, es komme „an Weihnachten immer oder gelegentlich zum Streit“. Die größten Konflikte treten dabei mit dem Partner auf (36 %), fast gleichauf mit den Eltern (35 %).
Weihnachten ist also keineswegs automatisch ein Fest der Harmonie – aber alle tun so, als wäre es das.
Genau das triggert dein Bedürfnis nach Liebe, Nähe und Zugehörigkeit – und macht alte Selbstvorwürfe, Zweifel oder Sehnsucht besonders spürbar.

Weihnachten alleine: So stärkst du dein Inneres Kind mit Selbstmitgefühl
Gerade an Weihnachten kommt auch nach Jahren der Funkstille der Gedanke auf, ob sich etwas verändert hat. Ob die Eltern vielleicht heute anders reagieren würden, ob ein vorsichtiger Kontaktversuch möglich wäre.
Natürlich kann das sinnvoll und richtig sein:
Wenn echte Veränderung spürbar ist und du merkst, dass dieser Schritt auf deiner ruhigen, klaren Abwägung beruht. Und wenn du inzwischen besser Grenzen setzen und für deine Bedürfnisse einstehen kannst.
Es ist nicht sinnvoll, wenn du aus Schuld, Sehnsucht oder Pflichtgefühl heraus Kontakt suchst.
Denn oft steckt hinter dem Wunsch, den Kontakt wiederherzustellen, etwas ganz anderes: nicht die Sehnsucht nach den Personen, sondern nach dem, was damals gefehlt hat – "wirkliche" Eltern, die Wärme, Geborgenheit, Respekt und Gesehenwerden schenken konnten.
Diese Sehnsucht gehört nicht zu deinem heutigen, erwachsenen Ich, sondern zu einem jüngeren Teil in dir – deinem verletzten Inneren Kind.
In der stillen, festlichen Zeit wird dieser Schmerz besonders laut. Vielleicht versuchst du dann, ihn zu betäuben, zu übergehen oder zu „reparieren“, indem du darüber nachdenkst, wie schön es doch wäre, Weihnachten mit der Familie zu feiern.
Doch das Innere Kind in dir braucht in Wahrheit etwas anderes – von dir selbst: Mitgefühl, Verständnis und neue Lösungen.
Hier beginnt der Weg zum Selbstmitgefühl: zu erkennen, dass du den Schmerz deines Inneren Kindes heute selbst verändern kannst, statt immer wieder auf das zu hoffen, was von den Eltern nicht kam.
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Weihnachten selbst gestalten – eine erfüllte Zeit auch ohne Familie
Selbstmitgefühl heißt, dich zu trösten, aber auch: dir zu erlauben, Freude zu empfinden.
Es ist verständlich, dass du an Weihnachten Trauer spürst – und gleichzeitig den Wunsch hast, trotzdem eine schöne Zeit zu haben. Beides darf nebeneinander bestehen. Du darfst traurig sein und es dir gut gehen lassen.
Vielleicht probierst du dieses Jahr etwas Neues: ein anderes Weihnachten als früher. So, wie du es wirklich magst – mit allem, was dich nährt, wärmt und zum Lächeln bringt.
Hier sind einige Ideen:
Als allererstes natürlich: Treffe dich mit Freunden (offline oder online).
Wenn Freunde Zeit haben, ist es eine prima Idee, gemeinsam zu feiern. Das geht nur nicht immer. Aber vielleicht habt ihr auch Lust, euch für ein Stündchen oder mehr auf einen Kakao und Plätzchen online zu treffen.
Lade (noch) fremde Gäste ein.
Deine Freunde haben keine Möglichkeit, Weihnachten mit dir zusammen zu verbringen? Dann mach´s wie die Frau in Dänemark, die per Zeitungsartikel unbekannte Alleinstehende zum Weihnachtsessen eingeladen hat. In Deutschland kannst du das zum Beispiel über nebenan.de online anbieten.
Schmücke einen Weihnachtsbaum – auf deine Art.
Und nimm dazu Dinge, die dir gefallen: verrückte Weihnachtskugeln in Form eines Bratapfels oder Goldfischs, Papiersterne, Federn oder Fundstücke aus der Natur. Kein perfekter Baum, sondern dein eigener.
Schenk dir selbst was.
Kauf dir schon im Sommer ein Geschenk und packe es ein. Vielleicht hast du an Weihnachten sogar schon vergessen, was es war und kannst dich selbst überraschen.

Gönn dir ein Festessen.
Drei Gänge, nur für dich: Balsamico-Feigen-Crostini als Vorspeise, Pasta mit Birnen, Fenchel und Gorgonzola als Hauptgericht, Tiramisu von Aldi zum Dessert. Dazu eine Flasche Sekt, Champagner oder Weihnachtsbier – was immer du möchtest und einfach, weil du Lust drauf hast.
Mach es dir richtig gemütlich.
Zünde viele Kerzen an, backe Plätzchen (vielleicht genau die, die es bei deinen Eltern nie gab), hör Weihnachtsmusik aus den 50ern oder schau einen gute Laune-Lieblingsfilm – „Manche mögen’s heiß“ oder „Mamma Mia“ gehen immer.
Plane etwas Besonderes für die Feiertage.
Am 1. Weihnachtsfeiertag vielleicht ein Ausflug ins Museum, am 2. in die Therme. Raus aus dem gewohnten Ablauf – rein ins Leben.
An Weihnachten muss nicht im Vordergrund stehen, dass du betrauerst, was fehlt.
Es darf ein Tag sein, an dem du dich selbst feierst. Denn das größte Geschenk, das du dir machen kannst, ist, dich selbst liebevoll zu begleiten. Nicht nur an Weihnachten, aber vielleicht gerade dann.
Ruft Weihnachten alten Schmerz und Trauer in dir hervor? Dann nutze doch den Jahreswechsel als kraftvolle Auszeit und gehe mit mehr Leichtigkeit ins Neue Jahr.
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Vera Arnold
Vor fast 20 Jahren begegnete mir ein Satz auf einem Plakat in einer vollen Berliner U-Bahn: "Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag" (Charlie Chaplin).
Der begleitet mich seither und ist ein Grund, warum ich Traumatherapeutin geworden bin.
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